
Management Summary
Werbung in ChatGPT auch in Deutschland
Werbeanzeigen werden direkt in Chatverläufen mit ChatGPT sichtbar sein
Die Antworten der KI sollen unverändert bleiben
Mit ChatGPT Ads startet ein neuer Werbekanal im europäischen Digitalmarkt.
Die klassische Suchmaschine bekommt weiterhin Konkurrenz und mit ihr verändert sich jetzt auch digitale Werbung. Seit dem 24. August2026 sind ChatGPT Ads in Deutschland und weiteren europäischen Märkten verfügbar, darunter in Frankreich, Österreich, der Niederlande, Schweden und Spanien. Insgesamt in 31 europäischen Ländern wird das Werbemodell eingeführt. Damit wird ChatGPT nicht mehr ausschließlich zur Informationssuche und Ideengenerierung genutzt, sondern auch zu einem neuen Werbeumfeld.
Für Unternehmen ist das besonders relevant, weil sich hier ein grundlegender Wandel der Customer Journey abzeichnet: Nutzer formulieren ihre Bedürfnisse nicht als Suchbegriffe, sondern sie entstehen als konkrete Fragen und aus Gesprächssituationen. Marken können in natürlichen, vertrauten Kontexten sichtbar werden, gleichzeitig müssen sich Nutzer auf eine neue Form von Werbung einstellen.
Was sind ChatGPT Ads?
ChatGPT Ads sind bezahlte Anzeigen, die innerhalb der ChatGPT-Oberfläche ausgespielt werden. Sie erscheinen unterhalb der eigentlichen Antwort und sollen klar als Werbung erkennbar und gekennzeichnet sein. Ein Werbemittel kann dabei Bildmaterial, Unternehmensname und Logo, einen Titel, Beschreibungstext sowie eine Landingpage enthalten.
Aktuell betrifft diese Einführung Nutzer:innen der kostenlosen ChatGPT-Free- und Go-Tarife. In Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu werden derzeit keine Anzeigen ausgeliefert. Auch Nutzer:innen, bei denen ein Alter unter 18 Jahren angenommen wird, erhalten keine Werbung. Für sensibleThemen wie Politik oder Gesundheit gelten zusätzliche Einschränkungen.
Wichtig dabei: OpenAI betont eine technische Trennung zwischen Werbung und den Antworten des KI-Modells. Anzeigen sollen die organischen Antworten nicht beeinflussen. Sie können jedoch selbstverständlich die Aufmerksamkeit der Nutzer:innen und damit deren weitere Entscheidungen beeinflussen. Für das Sprachmodell selbst sollen die Anzeigen nicht „sichtbar“ sein, sodass in einer Unterhaltung nicht direkt darauf eingegangen werden kann.
Ein neuer Werbestandard für Marken?
Der entscheidende Unterschied zu anderer, klassischer Online-Werbung liegt im Kontext. ChatGPT erkennt aus dem Gespräch, wonach Nutzer:innen gerade suchen, welches Problem sie lösen möchten oder welche Kriterien ihnen wichtig sind. Anzeigen können auf diesen „Decision Context“ abgestimmt werden.
Genau das macht ChatGPT Ads für Marken interessant: Eine Anzeige erscheint nicht zwingend aufgrund eines einzelnen Keywords, sondern im Zusammenhang mit der Intention einer Unterhaltung. Das kann großen Einfluss auf das Kaufverhalten haben, verändert aber auch die Anforderungen an Kampagnen.
Bei Google konnte beispielsweise auf ein konkretes Keyword geboten werden. ChatGPT Ads funktionieren stärker Kontext bezogen. Werbetreibende können Themen und Kontexte definieren, in denen das eigene Angebot relevant ist – eine exakte Auslieferung nach einzelnen Keywords wird jedoch nicht garantiert.
Zudem könnten auch für kleinere und mittlere Unternehmen Chancen entstehen, die sonst im Budget-Kampf klar gegen große Marken unterliegen, da in den organischen Unterhaltungen mit der KI oft mehr Nischen-Charakter liegt und spezialisierte Anzeigen somit an Bedeutung gewinnen könnten.
Für Marken bedeutet das einen Perspektivwechsel: weniger Keyword-Listen, mehr Verständnis für Zielgruppen, Situationen und Bedürfnisse.
Kennzahlen kritisch einordnen
Der OpenAI eigene Ads Manager bietet unter anderem Insights zu Impressionen, Klicks, Ausgaben, CTR, CPC, CPM und Conversions. Das Reporting ist derzeit allerdings noch deutlich schlanker als bei etablierten Werbeplattformen.
Für Unternehmen bedeutet das zunächst: Frühzeitig testen, aber Ergebnisse nicht vorschnell mit etablierten Kanälen gleichsetzen. Gerade Markenwirkung und Einfluss auf die Customer Journey lassen sich nicht vollständig über einzelne Conversion-Zahlen abbilden.
Auch die Akzeptanz der Ads durch die Nutzer:innen bleibt noch abzuwarten. Hier hängt vieles von der korrekten, beziehungsweise sinnvollen Implementierung durch OpenAI und ChatGPT ab. Nutzer:innen sehen die KI und Unterhalten mit dieser oft sehr persönlich und legen ein hohes Maß an Vertrauen in Antworten und Ergebnisse. Ob die neuen Werbeanzeigen daran anknüpfen können oder aber dem Entgegenwirken ist noch zu beobachten. Auf lange Sicht jedoch kann davon auszugehen sein, das durch die ohnehin allgemeine Allgegenwärtigkeit von Werbung auch das Erscheinen dieser auf ChatGPT Akzeptanz finden wird.
Was ändert sich für Nutzer:innen?
Für Nutzer:innen verändert sich zunächst vor allem die Umgebung, in der Werbung stattfindet. Anzeigen werden Bestandteil einer Unterhaltung, die sich bisher vor allem wie ein persönlicher Dialog angefühlt hat.
Dabei soll die Werbung klar von der eigentlichen Antwort getrennt bleiben und gekennzeichnet. In der EU gelten zudem besondere Anforderungen an die Personalisierung: Auf Informationen aus der Chat-Historie darf für personalisierte Werbung nur zurückgegriffen werden, wenn Nutzer dieser Personalisierung ausdrücklich zugestimmt haben. Ohne Zustimmung erfolgt die Aussteuerung kontextbezogen auf den aktuellen Prompt.
Der Fakt, dass Werbung in ChatGPT erscheint, sollte zudem kein allzu verwunderlicher Schritt für die meisten sein. Zum einen ist die Art und Weise der Nutzerinteraktion mit dem Sprachmodell prädestiniert für einen werblichen Kontext und zum anderen müssen die massiven Investitionen der letzten Jahre in die Entwicklung und Optimierung der Applikation durch erweiterte Finanzierungsmodelle aufgefangen werden.
Der nächste Schritt im digitalen Marketing
ChatGPT Ads markieren den Beginn einer neuen Phase im Digital Marketing. Für Marken entsteht ein zusätzlicher Zugang zu Nutzer an einem neuen Ort, wo diese Fragen stellen, Bedürfnisse formulieren und Entscheidungen vorbereiten.
Gleichzeitig steckt das Werbesystem noch in einer frühen Entwicklungsphase. Funktionen, Formate, Reporting und Targeting werden sich weiter verändern. Unternehmen sollten deshalb nicht jede klassische Kampagne einfach auf ChatGPT übertragen, sondern zunächst verstehen, welche Rolle KI-Konversationen in der eigenen Customer Journey spielen.
Aktuell werden in den Free und Go Plänen Anzeigen unterhalb der eigentlichen Antworten aufscheinen. Alle zahlungspflichtigen Versionen werden keine Ads erhalten
Nein laut Aussagen des Anbieters OpenAI fließen die Anzeigen keineswegs in die Unterhaltung mit dem Sprachmodell ein und stehen separat und klar gekennzeichnet von den Antworten. Inhaltlich können sie aber durchaus auf dem Kontext der aktuellen Unterhaltung basieren.
Die Möglichkeit nun auch auf ChatGPT Werbung zu schalten, wird keine vollständige Abkehr von Anzeigen auf anderen Digitalplattformen bedeuten. Eine gute Strategie und Einsatz der eigenen Mittel an den richtigen Stellen bleibt nach wie vor das relevanteste Mittel für gute Sales und Conversions.
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